Cirque Gourmet 29

sich der Speiseplan mehr an den Bedürfnissen der Jungs, die schwer tragen mussten – also etwa die Crewmitglieder vom Lichtdepartment mit den großen Scheinwerfern. Da bekamen wir dann ständig Schweinsbraten oder Gulasch vorgesetzt, und ich habe dann manchmal einfach behauptet, ich hätte irgendwelche Allergien, und sie sollen doch bitte mehr Gemüse kochen. Eine Produktion verlangte von mir daraufhin ein ärztliches Attest, und das habe ich mir dann halt organisiert – und wir bekamen gesünderes Essen. Die Kollegin:innen haben es mir gedankt damals. Sie müssen sich als Schauspielerin sehr intensiv in Charaktere und Situationen hineinversetzen, oft über Monate. Ist es schwierig, zu sich selbst zurückzufinden, wenn man lange in einer Rolle war? Nicole Beutler: Jein. Schauspielerei ist zwangsläufig etwas, bei dem man sich viel mit sich selbst beschäftigt, weil man die Figuren ja aus sich herausholen muss. Man recherchiert für jede Rolle, legt sich den Background zu, versucht sich auch Dinge zu bauen, die nicht im Drehbuch stehen, damit man alles im Kopf hat und dann spielen kann. Aber man holt natürlich auch viele Emotionen aus sich selbst. Schauspieler sind deshalb oft sehr egozentrisch, und diese Egozentrik, die viele Kolleginnen und Kollegen an den Tag legen ohne es zu bemerken, ist ein Aspekt dieses Berufes, mit dem ich nicht so ganz happy bin. Ich versuche, meinen Beruf wegzuschalten, wenn ich privat bin und mich für andere Menschen und Dinge zu interessieren. Mir ist wichtig, dass sich nicht alles nur um mich dreht, weil ich wirklich oft miterlebe, dass nur von sich selbst geredet wird, und das ist nicht someines. Sie sagen, man holt die Figuren aus sich raus. Nun spielten Sie bei SOKO Donau einmal eine Rechtspopulistin, die eine flammende Rede hielt. Nach der Szene haben Sie sich bei den Statisten entschuldigt, dass die sich das anhören mussten. Wie geht man also vor, wenn eine Figur so ganz und gar nicht in einem angelegt ist und in dem Fall sogar allem zuwiderläuft, was einen ausmacht? Nicole Beutler: Das sind mir die liebsten Rollen, wenn ich etwas nicht aus mir herausholen kann, weil dann wird es nämlich die Herausforderung, die ich immer suche – dass ich mir eine Figur komplett erarbeiten muss. Eine Rechtspopulistin darzustellen, glaubhaft Reden zu schwingen und zu wissen, das geht komplett gegen meine Überzeugung, das ist dann die Challenge. Du spielst ja eine Mörderin auch nicht, weil du das dauernd machst, sondern da musst du dir auch eine Psychologie zurechtbasteln, warum dieser Mensch jemanden umbringt. Diese Rollen werden mir nicht so oft angeboten, denn ich stecke vor allem in Österreich in einer Schublade, aus der immer eine toughe, elegante Frau, eine Rechtsanwältin, Ärztin oder Psychologin herausschaut. Sie ist ein absoluter Profi auf Theaterbühnen und vor der Kamera. Chansons zu singen, ist für Nicole Beutler aber Königsdisziplin und reine Herzensangelegenheit. Zu hören immer wieder mal bei Hermann Döllerers Festspielen auf Burg Golling. Nicole, der Genussmensch Auch in einer beeindruckenden Filmographie ist noch Platz für Träume. Die Rolle von Königin Elizabeth I., imFilm von Cate Blanchett verkörpert, hätte Nicole Beutler liebend gern gespielt. In der Küche lässt sich die vielseitige Mimin gern vom Salzburger Genius Wolfgang Amadeus Mozart beflügeln: »Wenn ich seine G-moll-Symphonie gehört habe, ist mir noch nie ein Gericht misslungen«, sagt sie. Champagner ist das Lieblingsgetränk der Schauspielerin. Wenn es um guten Wein geht, schwört sie auf einenRoten aus demWeingut Pöckl. Mozart in der Küche, Schampus im Glas Foto: iStock/ Duncan P Walker Wenn im Hause Beutler etwas ganz Besonderes auf den Tisch kommen soll, kocht Nicole nach Rezepten des britisch-israelischen Kochs Yotam Ottolenghi, der Mitbesitzer von Kultrestaurants in London und auch Buchautor ist. Sein Kochstil ist in den Traditionen des Nahen Ostens und des Mittelmeerraumes verwurzelt. 30 Cirque Gourmet 2025

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