Cirque Gourmet 29

58 Cirque Gourmet 2025 Gleichzeitig sorgen die mediterranen Einflüsse insbesondere in den südlichen Weinbauzonen für milde Temperaturen. Dies führt zu einer hervorragenden Balance zwischen Reife und Frische in den Trauben. In den heißen Sommertagen erwärmen sich Böden und Pflanzen tagsüber, während nachts die Temperaturen oft deutlich absinken. Die abendlichen kühlen Temperaturen fördern eine langsame Reifung der Trauben und bewahren deren Frische und Fruchtigkeit. Die Kombination aus der intensiven Sonneneinstrahlung und den nächtlichen Kühlschüben trägt zu perfekter Aromenkonzentration und frischer, eleganter Säure bei. Die Tatsache, dass in Lagen von 200 bis mittlerweile sogar 1.200 Höhenmetern Weine mit ganz unterschiedlichen Stilistiken entstehen, ist eigentlich logisch. In Kombination mit dem einzigartigen Klima Südtirols ist dies eines der »Key-Elements« für herausragende Qualitäten. Mit rund 300 Sonnentagen im Jahr profitieren die Weinberge von einer langen Reifeperiode, die den Trauben ausreichend Zeit gibt, ihre Aromen zu entwickeln. Charakterweine mit individueller Handschrift Unter den Südtiroler Rebsorten sind für mich Lagrein und Vernatsch die roten Superstars, bin ich doch als Sommelier immer auf der Suche nach Herkunft und Authentizität. Es gibt natürlich grandiose Merlots und Cabernets, aber die findet man auch woanders. »Großartigst«, um ein Superlativ zu gebrauchen, sind für mich die Pinots, die würde ich definitiv als »heimisch« sehen. Wer etwa die Bandbreite der Pfitscher Brüder (www.pfitscher.it) aus Montan probiert, die sich selbst als Weinnarren der 7. Generation bezeichnen, kann einfach nur feststellen: Grandios! Ebenso überzeugend sind die Weißburgunder und Sauvignons, und der Gewürztraminer ist ohnedies eine intensive Rebsorte, die – richtig eingesetzt – über enormes Potenzial verfügt. Was abschließend noch bleibt, ist eine interessante Zukunftsfrage: Wie gehen die Südtiroler mit Wärme und dem damit verbundenen Zuckergehalt in den Weinen um? Hier würde ich mir »weniger Alkohol ist mehr« wünschen, aber die Winzer sind dran. Ein wichtiger Schritt in die Zukunft ist das brandneue Lagensystem, das sogenannte »Unità Geografica Aggiuntiva« (UGA). Es bleibt spannend in Südtirol. »Ein wesentliches Merkmal ist, dass die Genossenschaften für die Qualität und Entwicklung über Jahrzehnte hinweg eine wichtige Rolle gespielt haben. Knapp 70% der Südtiroler Qualitätsweine werden von ihnen produziert. Aber es kommen auch ständig neue, kleine, selbstständige Winzer mit interessanten Weinen auf den Markt.« DAVID WEISSENSTEINER, GENIESSERHOTEL SONNALP Lohnt einen Besuch: Weingut Eichenstein in Meran Freiburg, 2007 von Sepp Waldner, Onkel von Mathias Waldner (La Maiena Meran Resort), gegründet. Fotos (2): WG Eichenstein

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