65 Cirque Gourmet 2025 tur sind sie, die Tiroler. Und konsequent. Weil der junge Patron des Genießerhotels im Tuxertal (siehe S. 102) mit »Orange Wines« nicht viel anfangen kann, bietet er sie gar nicht erst an. Auch holzlastige Cuvées haben’s schwer bei ihm. In Sachen Wein geht es bei Lukas Brugger ganz klar um Österreichs Paradedisziplin, den Mix aus Fruchtigkeit und Frische. Das unbekannte Österreich Mit rund 75% der Gäste aus Deutschland verlässt er sich dabei aber nicht auf den Grünen Veltliner. Viel lieber sind ihm Entdeckungen abseits der ausgetretenen Pfade, wobei eine Leidenschaft den unterschätzten weißen Rebsorten wie Rotgipfler und Zierfandler gilt. Bei den Roten ist der Pinot Noir ein Steckenpferd: »Mit Weinen, wie dem ebenfalls aus der Thermenregion stammenden ›Holzspur‹ der Reinisch-Brüder kann man selbst Kenner verblüffen und begeistern!« In Sachen Rotwein hat Brugger aber auch die Frische des Cabernet Francs als Tipp für Gäste parat. Der 2019er von Stefan Zehetbauer aus Schützen gilt zu Recht als Geheimtipp. Generell hat es dem Tiroler das eher unbekannte Österreich angetan. Etwa in Form ungewöhnlicher Cuvées, wie der aus drei Jahrgängen stammende »Steinvision« von Waldschütz, der 36 Monate im Granitsteinfass lagerte und anderswo kaum erhältlich ist. Glasweise kommen die Gäste ebenfalls in den Genuss von »no mainstream«-Trauben aus Österreich. Säurearme Sorten wie Weißburgunder oder Neuburger werden immer gefragter: »Unsere Gäste wollen Wein auch wirklich trinken.« Ein Renner des 4-Sterne-Hauses ist der Haussekt, den Vater Simon als Lanersbacher Hof-Cuvée seit mehr als einem Jahrzehnt bei Szigeti in Gols herstellen lässt. Über Jahrzehnte gesammelt Dass die Karte im Lanersbacher Hof heute 480 Positionen aufweist und 14.000 Flaschen im Keller lagern, hat eine lange Vorgeschichte: Sie geht auf die 1970er zurück. Großvater Ewald Kraxner besorgte für sein Restaurant an der Bergbahn – die Keimzelle des heutigen Genießerhotels – persönlich Feines bei Winzern in ganz Österreich. Ob aus der Thermenregion oder der Steiermark, überall fuhr er selbst vor, um die besten Weine zu ordern. Davon profitieren Weinenthusiasten noch heute, denn Lukas Brugger kann auf viele außergewöhnliche, reife Raritäten zurückgreifen: »Veltliner haben wir bis zurück in die 1980er.« Ein WeißweinFlight aus Weißburgunder (Prieler) oder Chardonnay (Tement) kann da schon einmal aus dem Jahrgang 1993 stammen. Über die Jahre entstanden viele Freundschaften mit Winzern im Osten. Etwa mit Lukas Rieder (»Weinrieder«) in Kleinhadersdorf: »Er ist gleich alt und heißt auch Lukas«. Und auch hier ist es der für das Weinviertel unübliche Riesling, den Brugger leidenschaftlich gern empfiehlt. Denn im Zweifel entscheidet man sich in Tux immer dafür, den Gast zu überraschen. So wie das schon der Großvater einst erfolgreich eingeführt hat. Was sind dagegen schon Weinmoden? S Lukas für Lukas: Der aufstrebende niederösterreichische, Jungwinzer Lukas Rieder zählt zu den Lieblingswinzern von Lukas Brugger.
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