Josef als Finanzier ein, jedoch müssen Sparmaßnahmen ergriffen werden. So wird ein 80 m langer Tunnel zwischen Hotel und Küste ebenso verworfen wie zahlreiche prachtvolle Bauelemente. Der bisher verantwortliche Architekt Arnold Lotz springt ab. Josef Höfler, ein Jungster der Wiener Architekturszene und Schüler des bedeutenden Baumeisters Theophil Hansen (dessen Lebenswerk: das Wiener Parlamentsgebäude) wird angeworben. Höfler gelingt die Planung eines Hotelpalastes, der an der ungarisch-kroatischen Küste seinesgleichen sucht – auf einem Hügel thronend, in unmittelbarer Meeresnähe. Endlich: Der Hotelbau beginnt und auch die Formung und Bepflanzung der Küstenlandschaft nimmt ihren Lauf. Ein Aufwind der Erleichterung weht durch den Ort, denn obwohl inzwischen drei Gasthöfe und 200 Privatzimmer Quartier bieten, fehlt für die Entwicklung des gewünschten mondänen Kurortes noch immer das Prachthotel. Erzherzog Josef holt vorausschauend den durch seine »Wassercuren« europaweit angesehenen Pfarrer und HydrotherapeutenSebastian Kneipp nach Crikvenica. Dem Trend zum aktiven Genuss von »Luft, Sonne und Meer« folgend, lässt die »gesellschaftliche Oberschicht« vermehrt die Hüllen fallen. In diesem Sinne entsteht noch während der Bauzeit des Hotels ein Seebad an der vorgelagerten Küste – mit Badehaus, 100 Kabinen und getrennten Abteilungen für Damen und Herren. Um die Anreise noch komfortabler zu machen, wird auch der kleine Hafen »Crni molo« errichtet. Bei der Eröffnungsfeier am 24. Juni übergibt Erzherzogin Klotilde das Bad höchstpersönlich an die Kurgäste. Meerestherapien werden immer beliebter, und erste medizinische Studienergebnisse bezeugen die heilsamen Vorzüge der Küstenregion um Crikvenica. Daran anknüpfend wird das Hotel in »PALACEHOTEL THERAPIA« umbenannt. Als neuer Pächter investiert der Großgrundbesitzer Alexander von Csilléry kräftig in das Haus und weiterer Luxus zieht ein. Die ärztliche Leitung übernimmt der renommierte, vom Erzherzog akquirierte, kaiserliche Rat Dr. Heinrich Ebers, der mit seiner »Wasserheilanstalt« einen erheblichen Aufschwung bewirkt. In der östlichen Dependance wird das Militär-Sanatorium untergebracht. Der Kurarzt Roko Joković berichtet: Das HOTEL THERAPIA PALACE zählt zu den modernsten und exquisitesten hydrotherapeutischen Kurzentren an der Adria. Unter der Führung namhafter Kurärzte bietet es, ganzjährig geöffnet, sämtliche damals bekannten Süß- und Salzwassertherapien. Die Gesellschaftsräume des Hotels beherbergen neben Lese-, Spiel- und Billardzimmern auch ein Casino. Kurz nach dem Tod von Erzherzog Josef wird Crikvenica offiziell zum heilklimatischen Luftkurort erklärt. Der Vielvölkerstaat wankt. Beim Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 werden der Thronfolger Österreich-Ungarns und seine Gemahlin ermordet. Der Erste Weltkrieg beginnt und beendet die touristische Ära der Ungarischen Riviera. Erneut verändert sich die Welt … In der k. u. k.-Monarchie (1867–1918) entwickelte sich Crikvenica "an der ungarischkroatischen Küste zwischen Rijeka !und Karlobag§vom Fischerdorf zum noblen heilklimatischen Kurort. Von oben: Grand Hotel Erzherzog Josef (1896). / Palace Hotel Therapia (1898) mit der neu errichteten Bootsanlegestelle »Crni molo«. / Werbeplakat von Friedrich Ebers Wasserheilanstalt (1901). Das HOTEL ERZHERZOG JOSEF mit seiner eindrucksvollen, dem Meer zugewandten RenaissanceArkadenfront wird feierlich eröffnet. Zwei Dependancen, 120 luxuriöse Zimmer, ein 150 m2 großer Festsaal, ein Restaurantpavillon im Schweizer Stil, eine Cafeteria, fünf Geschäfte sowie eine große Sonnenterrasse, umgeben von einer 3 ha großen Parkanlage mit orientalischen Pflanzen und Kinderzoo, bieten noblen Gästen ein erstklassiges Quartier.
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